Philosophie der Naturpädagogik

Mit den Kindern raus bei Wind und Wetter - diese Idee stammt ursprünglich aus Dänemark. Vor rund 50 Jahren entstand dort der erste Waldkindergarten. Die Waldspielgruppen sind bei Wind und Wetter im Wald. Dieser ist nicht nur Raum für die Spielgruppe, sondern zugleich Spielplatz, Spielzeug, Grundlage für das tägliche Entdecken, Beobachten, Erleben, Erzählen und Lernen.

Jeder, der sich an die eigene Kindheit erinnert, weiß, dass es für Kinder kaum etwas Schöneres gibt, als sich draußen ohne Zeitdruck und Einengung bewegen zu können.

Da Kinder heute immer weniger die Möglichkeit haben, dies selbstständig zu tun, haben sich Waldspielgruppen den Wald als „Raum“ ausgesucht. So können Kinder schon im Spielgruppenalter die Natur mit ihrer Schönheit und Vielfalt kennen und lieben lernen.

Der Wald als Erfahrungs- und Erlebnisraum bietet unzählige Möglichkeiten des Spielens und des Lernens:

  • Bewegung und Verstand
    Im Wald können die Kinder ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben. Sie können sich frei ohne räumliche Begrenzung bewegen, rennen, laufen, hüpfen, balancieren, klettern, auf Baumstämmen reiten oder rutschen. Zudem fördert die Vielfalt der Bewegungsmöglichkeiten die Motorik und das Körpergefühl der Kinder. Sie lernen ihre Kräfte und Fähigkeiten einzuschätzen. Dies stärkt das Selbstbewusstsein des Kindes.
  • Sinneswahrnehmung
    Der Wald schenkt unseren Kindern eine unverfälschte Erfahrung für alle Sinne: Riechen, Schmecken, Sehen, Hören und Fühlen. Die Natur bietet Sinnesreize in vielfältiger Weise. So z.B. hat jeder Stock eine andere Oberfläche. Modriges Holz riecht anders als frisches geschlagenes. Das Moos auf dem Waldboden ist weich. Die Schritte im Laub sind hörbar.

    Kinder lernen anders als Erwachsene. Sie müssen zuerst sehen, berühren und erleben, bevor sie Erklärungen aufnehmen können.
  • Naturerleben
    Im Wald können die Kinder Natur unmittelbar erleben und begreifen. Der Wald ändert täglich sein Gesicht. So erleben die Kinder den Lauf der Jahreszeiten und lernen den natürlichen Rhythmus des Waldes kennen. Jeden Tag gibt es Neues zu entdecken: Vögel und Käfer, Blätter und Äste, Steine und Wasser, Geräusche und Stille, Blumen und Beeren. Die Kinder erleben, ertasten, erfahren und erfühlen.
  • Kreativität
    Der Wald schenkt unseren Kindern ein reichhaltiges Repertoire an natürlichen, kostenfreien Spielmöglichkeiten. Ohne vorgefertigtes Spielzeug lernen die Kinder zu improvisieren. Kreativität und Phantasie werden dadurch angeregt. Aus einem Ast wird der Bohrer, mit dem die Waldhöhle ausgebessert wird, ein umgekippter Baum dient als Ladentisch. Tannenzapfen, Blätter, Rindenstücke, Federn werden zu Lebensmitteln, die im Laden angeboten werden.
  • Körperliche Gesundheit
    Wind und Wetter ausgesetzt zu sein härtet ab und fördert die Gesundheit. Das Immunsystem wird langfristig gestärkt, körperliche Ausdauer, Beweglichkeit und Konzentrationsfähigkeit nehmen zu.
  • Persönlichkeitsentwicklung und Sozialerziehung
    Kinder erfahren im Wald, dass sie sich etwas zutrauen können. Das macht sie mutig und selbstbewusst. Dies ist eine wichtige Grundlage für Eigenverantwortlichkeit und Gemeinschaftsfähigkeit. Im Wald wird das soziale Miteinander geschult. Die Kinder sind als Gruppe unterwegs und kommunizieren miteinander. Gemeinsame Erlebnisse stärken das Gruppengefühl und steigern so die Bereitschaft zur gegenseitigen Hilfe und Rücksichtnahme und fördern Kooperationsbereitschaft.